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Wer sind Wir? - Die Lebenshilfe im Odenwaldkreis

 

Am 15.11.1971 wurde in Anwesenheit des Gründers der bundesweiten Lebenshilfe, Tom Mutters, die Kreisvereinigung der Lebenshilfe im Odenwaldkreis gegründet.

Die Aufgabenstellungen des neu gegründeten Vereins wurden wie folgt formuliert:

- Aufbau einer Selbstorganisation von Eltern und Angehörigen von Menschen mit geistiger Behinderung.

- Beratung und Begleitung von Familien, in denen Menschen mit geistiger Behinderung leben.

- Schaffung von Angeboten und Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung jeden Alters wie Frühförderstelle,

  Kindertagesstätte, Schule, Angebote für Arbeit und zum Wohnen   sowie Freizeitmaßnahmen.

- Öffentlichkeitsarbeit, um mehr Verständnis für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung zu erlangen.

 

Es wurde bewusst ein Kreisverband gegründet, keine Ortsvereinigungen, um in unserem ländlichen Bereich die Interessen von Menschen mit geistiger Behinderung besser wahrnehmen zu können.  Man ging - zu Recht - davon aus, dass die Schaffung von erforderlichen Einrichtungen durch einen Kreisverband kompetenter und zielgerichteter bewältigt werden könnte, als durch ggf. sogar miteinander konkurrierende Ortsvereinigungen.

 

Darüber hinaus war es von vorne herein die Absicht, die Lebenshilfe nicht allein als Träger von Angeboten und Einrichtungen fungieren zu lassen, sondern andere - Gemeinden, Kreis, Verbände, usw. - sollten für die Mitbürgerinnen und Mitbürger mit geistiger Behinderung gemeinsam in die Pflicht genommen werden.

 

Es gab damals eine Aufbruchstimmung. Betroffene Eltern und Familien, unterstützt von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, waren fest entschlossen, auch für ihre Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung geeignete Betreuungs-, Bildungs-, Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen. Ebenso wuchs das Bewusstsein bei Eltern, Familien und auch in der Gesellschaft, dass Menschen mit geistiger Behinderung das gleiche Lebensrecht wie nicht Behinderte habe. Angebote und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung sollten zur Normalität werden.

 

Die Bemühungen des neu gegründeten Vereins erfuhren zudem Auftrieb durch Neuerungen und Verbesserungen im Sozial- und Behindertenrecht.

 

Zug um Zug wurden die Vorhaben und Pläne der Lebenshilfe aufgegriffen und umgesetzt.

 

Bereits zum Schuljahresbeginn 1973/1974 konnte die erste "Sonderschule für praktisch Bildbare" in angemieteten Räumen des Brombachtal-Sanatoriums in Betrieb genommen werden.

 

Um Kindern mit geistiger Behinderung kreisweit so früh wie möglich eine Förderung zuteil werden lassen zu können und auch den betroffenen Eltern Hilfestellung und Entlastung zu gewähren, begann die Lebenshilfe mit der Planung einer Sonderkindertagesstätte. Nach zielstrebigen und zähen Verhandlungen mit dem Landesjugendamt und dem Landeswohlfahrtsverband und unter Einsatz enormer Eigenmittel konnte mit Unterstützung der Gemeinde Bad König sowie den Zeller Kindergarteneltern bereits am 15.08.1974 in Zell ein "integrierter Kindergarten" seiner Bestimmung übergeben werden. Es war seinerzeit die erste "integrierte Kindertagesstätte" in Hessen, also ein Hort, der nicht behinderte und behinderte Kinder gemeinsam betreute.

 

Weiterer Bedarf zur pädagogischen Betreuung von Kindern mit geistiger Behinderung wurde jedoch sehr bald deutlich, sodass für den Bereich der Unterzent und des Gersprenztals auf Betreiben und unter Mitfinanzierung der Lebenshilfe bereits am 01.07.1977 der zweite "integrierte Kindergarten" in Höchst/Hassenroth seine Tore öffnen konnte.

 

Den Fahrdienst in beiden Einrichtungen organisierte und verantwortete die Lebenshilfe, Vor- und Jahrespraktikanten wurden ebenfalls von der Lebenshilfe angestellt und finanziert.

 

Darüber hinaus gab es konkrete Überlegungen zur Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für junge Menschen mit geistiger Behinderung. In Korrespondenz mit dem Landeswohlfahrtsverband und dem Hessischen Sozialministerium sowie der Arbeitsverwaltung wurde für das Gebiet des Odenwaldkreises ein Plätzebedarf für 60 Werkstattbesucher ermittelt. Nach lebhaften Diskussionen, auch in den eigenen Kreisen, wurde nach Verhandlungen mit den politischen Kräften der Kommune Bad König und bei Zurverfügungstellung erheblicher Lebenshilfegelder, insbesondere aber unter beispielhaftem Einsatz von Eigenhilfe einiger Eltern, am 01.11.1976 in der alten Schule in Bad König die erste "Werkstatt für Behinderte" eröffnet. Es war damals klar, dass dies zunächst nur eine provisorische Einrichtung sein konnte.

 

Für einen Neubau einer "Werkstatt für Behinderte" musste eine breitere Trägerschaft gefunden werden. Dazu wurde der "Verein Behindertenwerkstatt Odenwald", ein starker Trägerverein, am 04.05.1977 aus der Taufe gehoben. Insgesamt 12 juristische Personen, darunter der Odenwaldkreis und die Gemeinde Höchst, die Lebenshilfe, der Behindertenclub, Wohlfahrtsverbände, die beiden großen Kirchen, sowie Organisationen des heimischen Handwerks und der Industrie bildeten für den Bau und Betrieb der zu schaffenden Arbeitsstätte für Menschen mit geistigen Behinderungen ein tragfähiges Fundament. Der Verein erhielt später die Bezeichnung "Verein Behindertenhilfe", der nunmehr alleiniger Gesellschafter der Integra GmbH ist, in dessen Aufsichtsrat die Lebenshilfe einen festen Platz hat.

 

Die neue Werkstatt wurde geplant, in Mümling-Grumbach gebaut und im August 1979 feierlich ihrer Bestimmung übergeben.

 

Das alte Schulhaus in Mümling-Grumbach wurde erworben, zum Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung umgebaut und am 06.07.1983 in Anwesenheit des hessischen Sozialministers eingeweiht.

 

In der Folgezeit wurden zusätzliche Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten geschaffen, weitere Kindertagesstättenplätze zur Verfügung gestellt. Auch andere Träger - kommunale, kirchliche und gemeinnützige - haben das Engagement der Lebenshilfe aufgegriffen und - auch von gesetzlichen Vorgaben beeinflusst - weitere Angebote geschaffen.

 

Das segensreiche Wirken von Schulrat Hans Degen, dem ersten 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe in unserem Kreis, und Landrat Gustav Hofmann fand Anerkennung durch die Namensgebung des Wohnheims in "Hans-Degen-Haus" bzw. der Werkstatt in "Gustav-Hofmann-Haus".

Nicht weniger segensreich war das vielfältige Wirken von Peter Egly und Dieter Nolte, die beide langjährig in verantwortlichen Positionen für und in der Lebenshilfe unseres Kreises tätig waren.

 


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